Was ist ein CSMS (Charging Station Management System)?
July 30, 2026
Autor: eMabler Team

Kurze Antwort
Ein CSMS, kurz für Charging Station Management System, ist die Softwareplattform, die ein Netz von Ladestationen für Elektrofahrzeuge betreibt, überwacht und abrechnet. Der Begriff stammt aus OCPP 2.0, das die Open Charge Alliance 2018 veröffentlichte und in dem er den OCPP-1.6-Begriff Central System ablöste, und setzte sich mit OCPP 2.0.1 im Jahr 2020 als Standardbegriff durch. Ein CSMS übernimmt die Provisionierung und Geräteverwaltung der Ladestationen, die Autorisierung der Fahrenden, Ladetransaktionen und Zählerdaten, die Fernsteuerung, das gesteuerte Laden, Tarife und Abrechnung, die Diagnose sowie Firmware-Updates. Im kommerziellen Sprachgebrauch bezeichnen CSMS und CPMS (Charge Point Management System) dieselbe Softwarekategorie, wobei CSMS der protokollgenaue und CPMS der im Markt gängigere Begriff ist. Welches CSMS ein Betreiber wählt, bestimmt, welche Hardware er nutzen kann, an welche Geschäftssysteme er sich anbinden kann und wem die Ladedaten gehören.
Ein Betreiber mit 40 Standorten und Ladestationen von drei verschiedenen Herstellern hat genau eine Software, die darüber entscheidet, ob das alles tatsächlich funktioniert. Wenn eine Ladestation um sechs Uhr morgens offline geht, wenn einer fahrenden Person ein Ladevorgang doppelt berechnet wird, wenn ein Standort nahe an der Grenze seines Netzanschlusses läuft, liegt die Antwort an derselben Stelle. Diese Stelle ist das Backend, und im Vokabular von OCPP heißt es CSMS.
In der Branche wird der Begriff oft uneinheitlich verwendet. Manche Anbieter sagen CSMS, manche CPMS und manche Ladeplattform. Hinter den Bezeichnungen steht eine konkrete technische Definition mit einem konkreten Ursprung, und wer sie versteht, kann Ausschreibungsunterlagen, Anbieterdemos und Integrationsgespräche deutlich leichter einordnen.
Dieser Artikel erklärt, was ein Charging Station Management System ist, woher der Begriff kommt, was es Funktion für Funktion leistet, wie es mit Ladestationen kommuniziert, wie es sich in den übrigen Lade-Stack einfügt und was ein CSMS vom anderen unterscheidet, wenn Sie selbst den Vertrag unterschreiben.
Was ist ein CSMS (Charging Station Management System)?
Ein CSMS (Charging Station Management System) ist das Backoffice eines Ladenetzes für Elektrofahrzeuge. Es ist die Software, die weiß, welche Ladestationen es gibt, ob sie online sind, wer sie nutzen darf, was jeder Ladevorgang gekostet hat und was zu tun ist, wenn etwas ausfällt.
Die formale Definition
In der OCPP-2.0.1-Spezifikation ist das CSMS als das Backoffice definiert, das Charging Stations verwaltet. Es ist eine von nur zwei normativen Rollen im Protokoll. Die andere ist die Charging Station selbst. Alles andere in einer Ladearchitektur für Elektrofahrzeuge, darunter Fahrende, Roaming-Partner, Netzbetreiber und Energiemanagementsysteme, liegt außerhalb der Grenzen des Protokolls.
Betrieben wird das CSMS vom Charging Station Operator, kurz CSO. In der Alltagssprache der Branche heißt diese Rolle meist Charge Point Operator, kurz CPO. Wichtiger als die Unterscheidung ist das Verhältnis: Eine Organisation betreibt das CSMS, und diese Organisation trägt die kommerzielle Verantwortung für das Netz.
Was das CSMS steuert
Das CSMS hat die maßgebliche Sicht auf das Netz. Es speichert die Konfiguration jeder Station, die Autorisierungsregeln, die entscheiden, ob ein Ladevorgang starten kann, die Preise, die bestimmen, was ein Ladevorgang kostet, und danach den vollständigen Transaktionsdatensatz. Außerdem sendet es Befehle: einen Ladevorgang aus der Ferne starten, die Verfügbarkeit ändern, ein Ladelimit setzen, einen Anschluss neu starten, ein Firmware-Update aufspielen.
Was das CSMS nicht steuert
Ein CSMS liefert keinen Strom, und es setzt keine physischen Sicherheitssysteme außer Kraft. Lösen die internen Schutzeinrichtungen einer Ladestation aus, erfährt das CSMS davon und meldet es, aber es entscheidet nicht darüber. Dasselbe gilt für die elektrischen Grenzen eines Standorts. Ein CSMS kann den Leistungsbedarf innerhalb des ihm zugestandenen Spielraums steuern und auf Signale eines Energiemanagementsystems oder eines Netzbetreibers reagieren, aber die physische Grenze setzt die Installation.
Die drei Ebenen: Ladestation, EVSE, Ladeanschluss
OCPP 2.0.1 bildet einen Standort logisch statt physisch ab, und zwar in drei Ebenen. Eine Charging Station ist das gesamte System, das eine einzige Identität hat und per OCPP mit dem CSMS spricht. Darunter liegen ein oder mehrere EVSEs (Electric Vehicle Supply Equipment), die jeweils ein Fahrzeug auf einmal laden können. Unter jedem EVSE liegen ein oder mehrere Ladeanschlüsse, also die einzelnen Steckdosen oder fest angeschlagenen Kabel.
Das ist in der Praxis wichtig, denn ein Ladepark mit zwanzig EVSEs hinter einem einzigen Modem ist aus Sicht des Protokolls eine einzige Charging Station. Jedes EVSE hat eine Nummer, die in OCPP-Nachrichten als evseId (EVSE-Kennung) erscheint, und diese Nummern beginnen bei eins und laufen lückenlos fortlaufend. Die evseId null ist für die Station als Ganzes reserviert, ein Befehl an null gilt also für jedes EVSE der Station. Ladeanschlüsse werden genauso nummeriert, beginnend bei eins innerhalb jedes EVSE.
CSMS vs. CPMS: Gibt es einen echten Unterschied?
Beide Begriffe stehen im Markt nebeneinander, deshalb verdient der Unterschied vor allem anderen eine direkte Antwort.
CSMS ist der Protokollbegriff
CSMS stammt aus der Spezifikation. Der Begriff kam 2018 mit OCPP 2.0, setzte sich mit OCPP 2.0.1 allgemein durch und ist die korrekte Bezeichnung, wenn es um OCPP-Nachrichten, Zertifizierung oder irgendetwas auf Protokollebene geht. Wenn Sie ein technisches Dokument der Open Charge Alliance lesen, finden Sie dort CSMS.
CPMS ist der Marktbegriff
CPMS, kurz für Charge Point Management System, ist aus dem Vokabular von OCPP 1.6 hervorgegangen, in dem die Ladestation Charge Point und das Backend Central System hieß. Die Branche behielt die Bezeichnung Charge Point noch lange bei, nachdem das Protokoll sie geändert hatte, und so ging CPMS in den kommerziellen Sprachgebrauch über.
Wo sich die beiden wirklich unterscheiden
Es gibt genau einen echten technischen Unterschied. CSMS bezeichnet gezielt die Rolle auf der OCPP-Seite, also das System, mit dem sich eine Ladestation verbindet. CPMS ist im üblichen Sprachgebrauch weiter gefasst und umfasst oft kaufmännische Funktionen, die OCPP überhaupt nicht abdeckt, etwa Kundenverwaltung, Rechnungsstellung, Roaming-Abrechnung und Apps für Fahrende. Eine Plattform, die nur die OCPP-Seite umsetzt, ist ein CSMS. Eine Plattform, die auch das Geschäft drumherum betreibt, ist das, was die meisten mit CPMS meinen.
In Beschaffungsunterlagen meinen beide Begriffe meist dasselbe System. Wenn ein Lastenheft CSMS und CPMS als getrennte Anforderungen aufführt, zählt die jeweils hinterlegte Definition mehr als die Bezeichnung selbst.
Warum die Branche nicht mehr Central System sagt
Die Terminologie beim Laden von Elektrofahrzeugen folgt dem Protokoll, und das Protokoll hat sich geändert. Wer den Wandel versteht, kann ungefähr einschätzen, wie alt ein Dokument, eine Ladestation oder das Produktdenken eines Anbieters ist.
Der Wandel im Vokabular von OCPP 1.6 zu 2.0.1
OCPP 1.6 wurde 2015 veröffentlicht und entwickelte sich zur am weitesten umgesetzten Version des Protokolls. OCPP 2.0 erschien 2018, OCPP 2.0.1 folgte 2020, und OCPP 2.1 kam 2025 heraus. Mit der Generation 2.x wurde aus Charge Point die Charging Station und aus Central System das CSMS. Die Umbenennung war keine Kosmetik. OCPP 2.0.1 führte die EVSE-Ebene ein, ersetzte flache Kennungen durch strukturierte Objekte und verlagerte die Erzeugung der Transaktions-ID vom Backend in die Station.
Die beiden Generationen sind nicht miteinander kompatibel, eine Ladestation mit OCPP 1.6 kann also nicht mit einem Backend kommunizieren, das nur 2.0.1 spricht. Wegen dieser Inkompatibilität ist die Versionsunterstützung bei der Planung eines Rollouts so wichtig, und deshalb sagt die Angabe „OCPP-konform“ auf einem Datenblatt für sich genommen nicht genug aus.
IEC 63584 hat CSMS in die Sprache der Beschaffung gebracht
OCPP 2.0.1 Edition 3 wurde 2024 als IEC-Standard IEC 63584 angenommen. Sobald ein Protokoll zum internationalen Standard wird, taucht sein Vokabular in öffentlichen Vergabeunterlagen, nationalen Rahmenwerken und Compliance-Checklisten auf. Das ist der Hauptgrund, warum CSMS heute in kommerziellen Texten erscheint, in denen früher CPMS der Standard war. Der Begriff selbst stammt aus dem Jahr 2018. Geändert hat sich, wie oft Einkäufer ihm heute begegnen.
Was das beim Lesen einer Ausschreibung bedeutet
Verwendet eine Ausschreibung den Begriff CSMS und verweist sie auf OCPP 2.0.1 oder IEC 63584, arbeitet der Verfasser mit der Spezifikation und erwartet wahrscheinlich Antworten auf Protokollebene zu unterstützten Nachrichten, Funktionsblöcken und Zertifizierung. Verwendet eine Ausschreibung CPMS und spricht sie von Fahrenden, Apps und Rechnungsstellung, denkt der Verfasser kaufmännisch. Im falschen Register zu antworten ist ein häufiger Grund, warum ein technisch starkes Angebot Punkte verliert.
Was macht ein CSMS? Die Kernfunktionen erklärt
OCPP 2.0.1 ordnet seine 64 Nachrichten in Funktionsblöcke, und diese Blöcke decken sich weitgehend mit dem, was jedes ernstzunehmende CSMS leisten muss. Die folgende Übersicht folgt dieser Struktur, weil sich Plattformen so am verlässlichsten vergleichen lassen, ohne sich in Marketingkategorien zu verlieren.
Provisionierung und Geräteverwaltung
Jede Ladestation muss sich anmelden, bevor sie irgendetwas tun kann. Sie sendet eine Boot-Notification, erhält ihre Konfiguration und meldet ihre Struktur aus Komponenten und Variablen. OCPP 2.0.1 hat das mit einem Gerätemodell formalisiert, über das das CSMS die Konfiguration auf standardisierte Weise lesen und schreiben kann, statt auf herstellerspezifische Schlüsselnamen angewiesen zu sein. Für einen Betreiber mit gemischter Hardware entscheidet das darüber, ob er eine Flotte verwaltet oder ein Sammelsurium.
Autorisierung und Identität
Bevor ein Ladevorgang startet, entscheidet das CSMS, ob die vorgelegte Identität laden darf. Diese Identität kann eine RFID-Karte sein, ein App-Token, ein Vertragszertifikat nach ISO 15118 oder ein Roaming-Token, das einem Kunden eines anderen Anbieters gehört. Das CSMS prüft sie gegen die eigenen Datensätze, einen lokalen Cache oder ein Roaming-Backend. Stationen können außerdem eine lokale Autorisierungsliste vorhalten, damit das Laden auch bei einem Verbindungsabbruch funktioniert, was an Standorten mit schlechtem Mobilfunkempfang wichtiger ist, als die meisten Einkäufer erwarten.
Transaktionen, Messung und Sitzungsdaten
Der Transaktionsdatensatz ist das kommerzielle Herzstück des Systems. Er hält fest, wann ein Ladevorgang begann und endete, wie viel Energie geflossen ist, zu welchen Zeitpunkten und unter wessen Identität. OCPP 2.0.1 ersetzte die getrennten Start- und Stoppnachrichten von 1.6 durch ein einheitliches, ereignisbasiertes Modell und verlagerte die Erzeugung der Transaktions-ID in die Station. Das praktische Ergebnis sind weniger verwaiste Ladevorgänge und eine sauberere Abstimmung.
Zählerwerte gehen während eines Ladevorgangs in regelmäßigen Abständen ein sowie zu dessen Beginn und Ende. Qualität und Granularität dieser Daten bestimmen, ob ein Betreiber genau abrechnen, einen strittigen Ladevorgang belegen oder die Auslastung sauber modellieren kann.
Fernsteuerung und Verfügbarkeit
Betreiber müssen auf Ladestationen einwirken können, ohne vor Ort zu sein. Ein CSMS kann Ladevorgänge aus der Ferne starten und stoppen, ein Kabel entriegeln, das sich nicht gelöst hat, die Verfügbarkeit einer Station ändern und sie zurücksetzen. Supportteams nutzen diese Funktionen ständig. Tempo und Zuverlässigkeit der Fernbefehle wirken sich direkt darauf aus, wie viele Einsätze vor Ort ein Netz pro Monat braucht.
Gesteuertes Laden und Lastmanagement
Beim gesteuerten Laden hört das CSMS auf, ein Überwachungswerkzeug zu sein, und beginnt, einen Business Case abzusichern. Über Ladeprofile kann das CSMS Grenzen pro Ladevorgang, pro EVSE, pro Station oder für eine ganze Gruppe setzen, jeweils mit hinterlegten Zeitplänen. Dynamisches Lastmanagement verteilt die verfügbare Kapazität auf die Fahrzeuge, sodass ein Standort mehr Ladestationen versorgen kann, ohne seinen Netzanschluss auszubauen.
Für Betreiber in Wohnanlagen, an Arbeitsplätzen und auf Parkflächen ist das oft die wertvollste Einzelfunktion der Plattform.
Tarife, Preise und Abrechnung
Eine Tariff Engine macht aus Energie und Zeit Geld. Gemeint sind Preise pro kWh, Gebühren pro Ladevorgang, tageszeitabhängige Preise, Blockiergebühren und unterschiedliche Preise für verschiedene Kundengruppen oder Standorte. Das CSMS wendet den Tarif an, erzeugt den abrechenbaren Datensatz und übergibt ihn an das System, das die Rechnung stellt. Ins Straucheln geraten Betreiber bei Währungen, der Behandlung der Mehrwertsteuer und Rundungen über Märkte hinweg, also bei Dingen, die in einer Demo leicht zu übersehen und später teuer zu entdecken sind.
Zahlungen und Ad-hoc-Laden
Öffentliches Laden muss in der EU auch für Fahrende funktionieren, die keinen Vertrag mit dem Betreiber haben. Die Verordnung (EU) 2023/1804 über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe gilt seit dem 13. April 2024 und verlangt an öffentlich zugänglichen Ladepunkten Ad-hoc-Laden mit Preistransparenz und weit verbreiteten elektronischen Zahlungsmitteln. Betreiber müssen mindestens eine der folgenden Möglichkeiten anbieten: ein Lesegerät für Zahlungskarten, ein kontaktloses Gerät, das Zahlungskarten lesen kann, oder ein mit dem Internet verbundenes Gerät, das sichere Zahlungen unterstützt, etwa per QR-Code. Der vollständige Text ist auf EUR-Lex abrufbar.
Operativ landet diese Pflicht im CSMS. Es muss einen Ladevorgang über eine Vorautorisierung der Zahlung statt über ein Konto freigeben, anschließend den korrekten Betrag abrechnen und einen Beleg erstellen.
Diagnose, Überwachung und Firmware
Eine defekte Ladestation, die niemand meldet, ist schlimmer als eine Ladestation, die offline ist, denn der Betreiber zahlt weiter für den Standort, und die Fahrenden kommen trotzdem. Ein CSMS sammelt Statusmeldungen und Fehlercodes, macht sie sichtbar und verwaltet Firmware-Updates über die gesamte Flotte. Der Unterschied zwischen Plattformen liegt meist nicht darin, ob sie Fehler erfassen, sondern darin, was danach passiert.
Pulse von eMabler übernimmt diese Ebene mit KI-gestützter Diagnose. Es erkennt Fehler an Ladepunkten, gleicht sie mit der OEM-Dokumentation ab, empfiehlt Lösungen und kann automatisch handeln, indem es Anschlüsse neu startet oder fehlerhafte Ports deaktiviert, bevor die Kundschaft betroffen ist.
Sicherheit und Zertifikatsverwaltung
OCPP 2.0.1 definiert drei Sicherheitsprofile, die HTTP-Basic-Authentifizierung oder TLS-Client-Zertifikate mit optionalem oder verpflichtendem TLS kombinieren. Außerdem regelt es das Lebenszyklusmanagement von Zertifikaten, signierte Firmware und die Protokollierung von Sicherheitsereignissen. Einkäufer sollten fragen, welche Profile eine Plattform im Produktivbetrieb nutzt, statt danach, welche in ihrer Dokumentation stehen, und auf eine Zertifizierung nach ISO 27001 als Mindeststandard achten.
Reservierungen und Nachrichten an Fahrende
Zwei kleinere Funktionen runden das Bild ab. Mit Reservierungen kann sich eine fahrende Person ein EVSE für einen bestimmten Zeitraum sichern. Mit Display-Nachrichten kann das CSMS Text auf das Display einer Station senden, was für Preisinformationen, Servicehinweise und die Kommunikation bei Ausfällen genutzt wird.
Wie kommuniziert ein CSMS mit Ladestationen?
Die Verbindung zwischen Ladestation und CSMS ist einfacher, als die meisten annehmen, und wer weiß, wie sie funktioniert, dem erscheinen Gespräche zur Fehlersuche deutlich weniger rätselhaft.
OCPP über WebSocket
Modernes OCPP läuft als JSON über WebSocket, bekannt als OCPP-J. Die Ladestation ist der Client, baut die Verbindung zum CSMS immer selbst auf und hält sie dauerhaft offen. Das ist wichtig, weil die Station so hinter einer Firewall oder einem Mobilfunk-NAT sitzen und trotzdem Befehle vom Backend empfangen kann. Steht die Verbindung, können beide Seiten Nachrichten senden.
Die Identität der Station ist Teil der Verbindungs-URL und muss daher nicht in jeder Nachricht wiederholt werden. Die älteren Versionen OCPP 1.2 und 1.5 nutzten stattdessen SOAP und finden sich nur noch in alten Installationen.
Ein Ladevorgang von Anfang bis Ende
Ein Ladevorgang folgt einem vorhersehbaren Ablauf. Die Station startet und sendet eine Boot-Notification, danach Heartbeats als Lebenszeichen. Eine fahrende Person weist sich aus, und die Station bittet das CSMS, diese Identität zu autorisieren. Die Transaktion beginnt, Zählerwerte gehen in Abständen ein, und die Transaktion endet mit einem letzten Zählerstand. Anschließend berechnet das CSMS den Preis des Ladevorgangs und erstellt den Datensatz. Statusmeldungen laufen während des gesamten Ablaufs mit und melden Verfügbarkeit und Störungen.
OCPP 1.6, 2.0.1 und 2.1 im Feld
Die meisten europäischen Netze sind heute gemischt. OCPP 1.6 ist weiterhin weit verbreitet, weil es ausgereift ist und von einer enormen installierten Hardwarebasis unterstützt wird. OCPP 2.0.1 ist die aktuelle Zielversion für neue Installationen und bringt das Gerätemodell, bessere Sicherheit und leistungsfähigeres gesteuertes Laden mit. OCPP 2.1 erschien im Januar 2025, ergänzt die Steuerung dezentraler Energieressourcen und Vehicle-to-Grid-Funktionen und ist abwärtskompatibel zu OCPP 2.0.1.
Jedes CSMS, das ein Betreiber heute kauft, muss mindestens 1.6 und 2.0.1 parallel im selben Netz beherrschen, ohne Sonderbehandlung pro Standort.
Wie fügt sich ein CSMS in die gesamte Ladearchitektur ein?
OCPP regelt nur eine Verbindung, nämlich die zwischen Station und CSMS. Alles andere, was ein Betreiber braucht, läuft über andere Schnittstellen, und das CSMS ist der Knotenpunkt, über den sie alle verbunden sind.
Roaming und OCPI
Fahrende erwarten, auch in Netzen laden zu können, die nicht ihrem Anbieter gehören. Das funktioniert über Roaming-Protokolle, meist OCPI, die Standorte, Tarife, Autorisierungsanfragen, Ladevorgänge und Charge Detail Records zwischen Betreibern und Mobilitätsdienstleistern übertragen. Der eMSP ist überhaupt kein OCPP-Akteur. Er erreicht das Netz über das CSMS.
ISO 15118 und Plug and Charge
ISO 15118 ermöglicht die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladestation und macht damit Plug and Charge möglich: Das Auto weist sich mit einem Vertragszertifikat aus, und der Ladevorgang startet ohne Karte oder App. Das CSMS übernimmt dabei die Zertifikatsverwaltung. eMabler unterstützt Plug and Charge.
Energiemanagement, Netzsignale und Flexibilität
Auf der Energieseite arbeitet ein CSMS selten isoliert. Ein Energiemanagementsystem kann an einem Standort Grenzen vorgeben, die die Station über OCPP zurückmeldet. Ein Verteilnetzbetreiber kann über Protokolle wie OpenADR oder OSCP Signale zu Netzengpässen senden. Für Betreiber mit einem Portfolio von Standorten wird das Laden an dieser Stelle Teil des Energiegeschäfts.
Geschäftssysteme
Die Verbindungen, die darüber entscheiden, ob ein CSMS im Alltag funktioniert, sind meist die unspektakulären. CRM, ERP, Rechnungsstellung, Zahlungsanbieter und die eigene Kunden-App des Betreibers brauchen alle Ladedaten, und zwar in einer Form, die ihre Systeme bereits verstehen. ABC hat das Laden direkt in die App ABC-mobiili integriert. Aimo Park hat Parken und Laden in einer einzigen App zusammengeführt.
Worauf Sie bei der Wahl eines CSMS achten sollten
Funktionslisten gleichen sich an. In einer schriftlichen Antwort wird vermutlich jede Plattform am Markt die meisten der oben genannten Punkte abhaken. Die entscheidenden Unterschiede zeigen sich darin, wie sich eine Plattform verhält, sobald sie ein echtes Netz betreibt.
Unterstützte OCPP-Versionen und ob sie zertifiziert sind
Fragen Sie, welche OCPP-Versionen im Produktivbetrieb unterstützt werden, nicht welche auf der Roadmap stehen. Fragen Sie, ob die Implementierung von der Open Charge Alliance zertifiziert ist, denn selbst erklärte und geprüfte Konformität sind zwei verschiedene Dinge. Fragen Sie, wie die Plattform mit einem Netz umgeht, in dem zwei Protokollversionen gleichzeitig laufen.
Hardwarekompatibilität in der Praxis
OCPP-Konformität garantiert keine Interoperabilität. Hersteller legen Teile der Spezifikation unterschiedlich aus, und die Lücken zeigen sich erst unter Last oder in Grenzfällen. Die nützliche Frage ist nicht, ob eine Plattform grundsätzlich herstellerunabhängig ist, sondern welche konkreten Modelle sie im Produktivbetrieb hat, in welcher Stückzahl und seit wann.
API-Tiefe und Integrationsumfang
Wenn Ladedaten die Systeme nicht erreichen, die den Rest des Geschäfts tragen, wird die Plattform zu einer Insel mit Dashboard. Prüfen Sie, ob die API alles abdeckt, was die Benutzeroberfläche kann, ob sie öffentlich dokumentiert ist und ob es bereits Integrationen für die Systeme gibt, die Sie heute nutzen. eMabler ist API-first und bietet 300+ fertige Integrationen, dazu individuelle Integrationen auf Basis offener APIs.
Verfügbarkeit, Überwachung und wer ans Telefon geht
Ladefehler sind für die Kundschaft innerhalb von Sekunden sichtbar und bleiben lange in Erinnerung. Fragen Sie nach Verfügbarkeitswerten und danach, wie sie gemessen werden. Fragen Sie, was um zwei Uhr morgens passiert, wenn ein Standort ausfällt, und wen genau Sie dann erreichen. eMabler läuft mit 99,999 % Plattformverfügbarkeit, und Betreiber sprechen direkt mit den Ingenieuren, die die Plattform gebaut haben.
Preismodell und Ausrichtung der Anreize
Die Preisstruktur verrät, worauf ein Anbieter optimiert. Ein an erfolgreiche Ladevorgänge gekoppeltes Modell stellt den Umsatz des Anbieters und den Umsatz des Betreibers auf dieselbe Seite. eMabler berechnet eine Grundlizenzgebühr plus eine nutzungsabhängige Komponente, die an erfolgreiche Ladevorgänge gekoppelt ist. Aktuelle Details finden Sie unter emabler.com/pricing.
Dateneigentum und Ausstiegsbedingungen
Zwei Fragen klären das. Wem gehören die Ladedaten, und wem gehört die Beziehung zu den Fahrenden? Lautet die Antwort „der Anbieter“, steigen die Kosten eines späteren Plattformwechsels entsprechend. Mit eMabler behalten Betreiber das volle Eigentum an ihren Ladedaten und ihren Beziehungen zu den Fahrenden.
Compliance
Für europäische Betreiber umfasst die relevante Compliance-Liste die AFIR, die DSGVO, den EU Data Act, PCI DSS bei der Abwicklung von Zahlungen und ISO 27001 für die Informationssicherheit. eMabler ist nach ISO 27001 zertifiziert, ohne einen einzigen erfassten Sicherheitsvorfall, und erfüllt DSGVO, AFIR, PCI DSS und den EU Data Act.
Wo die Auswahl eines CSMS häufig schiefgeht
Was Betreiber in dieser Kategorie später bereuen, geht meist auf eine kleine Zahl vorhersehbarer Fehler zurück.
Nach Funktionslisten kaufen
Schriftliche Antworten auf eine Anforderungsmatrix sehen bei allen Anbietern nahezu gleich aus. Zwei Plattformen können beide gesteuertes Laden für sich beanspruchen und sich völlig darin unterscheiden, wie es sich mit 60 Fahrzeugen an einem begrenzten Netzanschluss verhält. Referenzgespräche mit Betreibern ähnlicher Netze sind mehr wert als die Matrix.
OCPP-Konformität mit Interoperabilität gleichsetzen
Konformität bedeutet, dass eine Plattform die Spezifikation umsetzt. Interoperabilität bedeutet, dass sie mit genau den Ladestationen funktioniert, die Sie besitzen. Das Zweite ist eine empirische Frage, und die einzige verlässliche Antwort liefern Installationen im Produktivbetrieb.
Die Migration unterschätzen
Ein laufendes Netz von einer Plattform auf eine andere umzuziehen betrifft die Hardwarekonfiguration, die Konten der Fahrenden, Tarife, historische Daten und jede darauf aufbauende Integration. Betreiber, die das als Softwaretausch planen, entdecken den tatsächlichen Umfang meist erst auf halber Strecke.
Die Kontrolle über die Daten verlieren
Plattformen, die die Beziehung zu den Fahrenden für sich behalten oder den Datenexport einschränken, schaffen eine Abhängigkeit, die mit dem Netz wächst. Das ist ebenso eine Vertragsfrage wie eine technische, und sie lässt sich vor der Unterschrift viel leichter klären als danach.
Wie migrieren Sie von einem CSMS auf ein anderes?
Die Migration ist der Teil im Lebenszyklus eines CSMS, der am wenigsten Aufmerksamkeit bekommt und die meisten Probleme verursacht, weshalb es sich lohnt, sie anhand von Fakten statt mit Optimismus zu planen.
Was Sie zuerst prüfen sollten
Bevor irgendetwas umzieht, braucht ein Betreiber eine vollständige Bestandsaufnahme: jede Ladestation mit Firmware und OCPP-Version, jede Integration und was sie abruft, jeden Tarif und jede Kundengruppe sowie die historischen Daten, die den Übergang überstehen müssen. Lücken in dieser Bestandsaufnahme werden später zu Störfällen.
Die Reihenfolge planen, ohne Standorte offline zu nehmen
Migrationen funktionieren am besten in Phasen, beginnend mit einer kleinen, repräsentativen Auswahl von Standorten, die die Hardwaretypen im Bestand abdecken. Beide Plattformen während des Übergangs parallel zu betreiben kostet eine Zeit lang mehr und erspart eine einzige, alles entscheidende Umstellung.
Wie eine wirklich reibungslose und schnelle CSMS-Migration aussieht
Time Park ist ein norwegischer Parkraumbetreiber im Besitz der Thon Group und verwaltet Parken und das Laden von Elektrofahrzeugen an mehreren Hundert Standorten in Norwegen, darunter Einkaufszentren, Hotels, Arbeitsstätten und Mehrfamilienhäuser, alle bedient über die eigene App Time Park Fix. Time Park hat seine gesamte Ladeplattform in 14 Tagen auf eMabler umgestellt, die schnellste Migration, die eMabler bisher verzeichnet hat, und den Großteil der Arbeit mit dem eigenen Team erledigt.
Zwei Faktoren machten dieses Tempo möglich. Time Park verfügte bereits über einen OCPI-konformen EMSP-Aufbau, was einen Großteil der Integrationsarbeit überflüssig machte, und hatte während des gesamten Projekts direkten Zugang zum Engineering-Team von eMabler. Henrik Fauske, Product Owner bei Time Park, formulierte es so: „Der Migrationsprozess war standardisiert und funktionierte von Anfang an. Direkt nach der Migration kamen schnell erfolgreiche Ladevorgänge herein, was früh bestätigte, dass alles funktionierte.“
Lesen Sie hier die vollständige Erfolgsgeschichte von Time Park.
Was ändert OCPP 2.1 für CSMS-Plattformen?
Das Protokoll weitet sich über die Verwaltung von Ladestationen hinaus auf die Teilnahme am Energiemarkt aus, und das verändert, was in den nächsten Jahren von einem CSMS erwartet wird.
Dezentrale Energieressourcen und Vehicle-to-Grid
OCPP 2.1 ergänzt Nachrichten zum Setzen, Auslesen und Löschen von Steuerungsvorgaben für dezentrale Energieressourcen, dazu Alarme und Start-Stopp-Meldungen. Das ist die Grundlage auf Protokollebene dafür, Ladestationen und angeschlossene Fahrzeuge als Netzressourcen zu behandeln.
Netzdienste und dynamische Ladepläne
Die Spezifikation ergänzt ein Signal für die automatische Frequenzwiederherstellungsreserve, einen Markt, den viele europäische Übertragungsnetzbetreiber organisieren, außerdem dynamische Aktualisierungen von Ladeplänen und priorisiertes Laden. Zusammen erlauben diese Funktionen einem Backend, das Laden sowohl an Marktbedingungen als auch an lokale Grenzen anzupassen.
Tarife, Abrechnung und Ereignisströme
OCPP 2.1 holt Tarife ins Protokoll selbst, mit Nachrichten, um Standardtarife festzulegen, einen Tarif während einer laufenden Transaktion zu ändern und Abrechnungen zu melden. Außerdem führt es periodische Ereignisströme ein, die verändern, wie hochfrequente Daten zwischen Station und CSMS übertragen werden.
Was Sie Anbieter fragen sollten
Die Fragen, die sich lohnen, sind konkrete. Finden Sie heraus, welche Funktionsbereiche von 2.1 heute umgesetzt sind, welche geplant sind und in welchem Zeitrahmen, und ob die Plattform Stationen mit 1.6, 2.0.1 und 2.1 im selben Netz betreiben kann. Es lohnt sich außerdem zu fragen, gegen welche Hardware der Anbieter 2.1 getestet hat, denn die Unterstützung im Backend ist nur die halbe Miete für eine funktionierende Installation.
CSMS: häufige Fragen
Q: Ist ein CSMS dasselbe wie ein CPMS?
A: Im kommerziellen Sprachgebrauch ja. CSMS ist der Begriff aus der OCPP-Spezifikation, und CPMS ist der Begriff, den die meisten Anbieter im Markt verwenden. Wo sie sich unterscheiden, umfasst CPMS oft kaufmännische Funktionen wie Rechnungsstellung und Kundenverwaltung, die OCPP nicht abdeckt.
Q: Ist CSMS ein neuer Begriff?
A: Nein. Er kam 2018 mit Version 2.0 in OCPP und setzte sich mit OCPP 2.0.1 im Jahr 2020 als Standardbegriff durch. In kommerziellen Texten ist er sichtbarer geworden, je weiter sich OCPP 2.0.1 verbreitet hat und seit es als IEC-Standard 63584 angenommen wurde.
Q: Muss ein CSMS OCPP 2.0.1 unterstützen?
A: Für neue Installationen ist 2.0.1 die sinnvolle Grundlage. Da OCPP 1.6 und 2.0.1 nicht kompatibel sind und 1.6-Hardware noch weit verbreitet ist, brauchen die meisten Betreiber ein CSMS, das beide Versionen im selben Netz betreibt.
Q: Kann ein einziges CSMS Ladestationen verschiedener Hersteller verwalten?
A: Ja, sofern die Plattform herstellerunabhängig ist und die Ladestationen OCPP-konform sind. Fragen Sie, welche konkreten Modelle der Anbieter im Produktivbetrieb hat, denn die Auslegung der Spezifikation unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller.
Q: Ist ein CSMS dasselbe wie ein Energiemanagementsystem?
A: Nein. Ein EMS steuert die elektrischen Lasten an einem Standort oder in einem Gebäude und kann Grenzen vorgeben, die eine Ladestation über OCPP zurückmeldet. Ein CSMS betreibt das Ladenetz und kann auf diese Grenzen reagieren.
Q: Brauchen Sie für einen einzelnen Ladestandort ein CSMS?
A: Jede Ladestation, die Autorisierung, Abrechnung, Fernsupport oder Reporting braucht, braucht ein Backend, unabhängig von der Zahl der Standorte. Die Wirtschaftlichkeit ändert sich mit der Größe, die funktionale Anforderung nicht.
Q: Wem gehören die Daten in einem CSMS?
A: Das hängt ganz vom Vertrag ab und nicht von der Technik. Dateneigentum und die Kontrolle über die Beziehung zu den Fahrenden sind kommerzielle Bedingungen, und sie unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter.
Die Wahl eines CSMS: worauf es ankommt
Ein CSMS ist das Charging Station Management System, das ein Ladenetz für Elektrofahrzeuge betreibt: Provisionierung, Autorisierung, Transaktionen, gesteuertes Laden, Tarife, Diagnose und alles, wovon das Geschäft danach abhängt. Der Begriff stammt aus OCPP 2.0.1 und meint in fast jedem kommerziellen Gespräch dasselbe wie CPMS. Wichtiger als das Akronym ist, dass die Wahl der Plattform drei Dinge zugleich entscheidet: welche Hardware Sie kaufen können, an welche Systeme Sie sich anbinden können und wem Ihre Ladedaten gehören.
eMabler ist herstellerunabhängig und arbeitet mit jedem OCPP-konformen Ladepunkt, sodass Betreiber nicht an einen einzigen Hersteller gebunden sind. Die Plattform ist API-first und verbindet sich über offene APIs und 300+ fertige Integrationen mit bestehenden CRM-, Abrechnungs-, Zahlungs- und Energiemanagementsystemen. Die Preise sind an erfolgreiche Ladevorgänge gekoppelt, Betreiber behalten das volle Eigentum an ihren Ladedaten und den Beziehungen zu den Fahrenden, und der Support kommt von den Ingenieuren, die die Plattform gebaut haben. Heute betreibt eMabler 120.000+ angebundene Ladepunkte in 11 Ländern, wickelt mehr als 1,3 Millionen Ladevorgänge pro Monat bei 99,999 % Verfügbarkeit ab und ist nach ISO 27001 zertifiziert, ohne einen einzigen erfassten Sicherheitsvorfall.
Wenn Sie ein CSMS für Ihr Netz evaluieren oder den Wechsel von Ihrem bisherigen System planen, sprechen wir gern mit Ihnen!