Wie Marktführer das Rennen um das Laden von Elektrofahrzeugen gewinnen
September 8, 2025
Read time: 5 minutes
Autor: Juha Stenberg, CEO at eMabler

Kurze Antwort
Etablierte Akteure aus Energie, Handel und Parkraum haben beim Laden von Elektrofahrzeugen strukturelle Vorteile, die neue Anbieter nicht leicht nachbilden können. Diese Vorteile werden aber nur dann zur Führungsrolle, wenn das Laden in die bestehenden Dienste eingebunden und nicht als eigenständiges System betrieben wird. Die Konkurrenz kommt zugleich von Fahrzeugherstellern, die über Plug & Charge die Schnittstelle zum Fahrer übernehmen, und von Mega-Apps, die das Laden in Plattformen mit weit größerer Reichweite aufsaugen als jedes reine Ladenetz. Norwegens Erfahrung im großen Maßstab zeigt die Folge fehlender Einbindung: zersplitterte Apps und unzuverlässige Ladevorgänge, die das Laden zuhause wieder zur Norm machen. Die vier strategischen Prioritäten: das Laden in vorhandene CRM-, Abrechnungs- und Treuesysteme einbinden, durchgängige Zuverlässigkeit liefern, Daten aus den Ladevorgängen für Cross-Selling und Energieoptimierung nutzen sowie gesteuertes Laden und die Teilnahme an Energiemärkten als Erlöshebel statt als Kostenposten begreifen.
Dieser Artikel behandelt jeden dieser Punkte im Detail.
Energieversorger, Tankstellen, Supermärkte und Parkraumbetreiber haben etwas, wovon Start-ups nur träumen können: Millionen treue Kundinnen und Kunden, etablierte Marken und tiefe Vertriebsnetze.
Jahrzehntelang lebten diese etablierten Unternehmen von Größe und Stabilität. Doch Größe ist nicht dasselbe wie Beweglichkeit, und in der sich schnell wandelnden Welt des Ladens von Elektrofahrzeugen kann eine frühere Stärke rasch zur Schwäche werden.
Der Umbruch geht schnell. Fahrzeughersteller machen Autos über Plug & Charge zu Kunden. Mega-Apps wie EasyPark, Google und Apple betten das Laden in den digitalen Alltag ein. Neue, digital geprägte Anbieter liefern reibungslose, datengetriebene Erlebnisse. Die Verbraucher wiederum verlangen Einfachheit und Einbindung, nicht noch eine App oder Karte im Portemonnaie.
Die Gefahr ist klar: Etablierte Ladegeschäfte drohen abgehängt zu werden, reduziert auf reine Infrastrukturanbieter, während neue Anbieter die Kundenbeziehung und den darüberliegenden Wert erobern. Doch die Chance ist genauso klar. Mit der richtigen Strategie können diese großen Akteure ihre Größe, ihren Kundenstamm und ihre physische Präsenz nutzen, um im Ladegeschäft zentral zu bleiben.
Die Wahl ist eindeutig: anpassen und führen oder an der Vergangenheit festhalten und verschwinden.
Welche Ladevorteile haben etablierte Akteure?
Beginnen wir mit der guten Nachricht: Etablierte Ladegeschäfte verfügen über Stärken, die sich nur schwer nachbilden lassen.
Energieversorger halten die Stromlieferbeziehung zu Millionen Haushalten und Unternehmen. Sie stellen Rechnungen, verwalten Tarife und genießen beim Thema Energie bereits das Vertrauen der Kundschaft. Tankstellen sitzen an erstklassigen Standorten an Fernstraßen, den natürlichen Knoten fürs Schnellladen, und wissen, wie man Infrastruktur mit hohem Durchsatz betreibt. Supermärkte und Einkaufszentren haben die Frequenz und die Treueprogramme, mit denen das Laden zum Verkehrstreiber im Handel wird. Parkraumbetreiber verfügen über die Flächen, auf denen Autos stundenlang stehen, der ideale Kontext fürs Laden.
Das sind keine kleinen Vorteile. Sie sind sogar die Grundlage des Ladegeschäfts. Aber, und das ist das große Aber, sie werden nur dann zur Führungsrolle, wenn die Unternehmen daraus eingebundene, kundennahe Angebote bauen. Wer das Laden als Nebensache oder „Pflichtübung" behandelt, wird von denen verdrängt, die es besser machen.
Wie Fahrzeughersteller und Mega-Apps den Markt umformen
Die Kräfte, die die Branche umformen, sind mächtig und warten nicht, bis Unternehmen aufholen.
Auf der einen Seite stehen die Fahrzeughersteller. Mit Plug & Charge authentifiziert sich das Auto selbst an der Ladestation. Zahlung und Vertragsabwicklung wandern ins Fahrzeug. Ab 2027 wird dieses Modell unter der AFIR-Verordnung der EU verpflichtend. Damit besitzen die Hersteller jedes Mal die Schnittstelle, wenn jemand einsteckt. Wenn sie gebündelte Ladeabonnements, Energiedienste oder Treueprämien anbieten wollen, können sie das direkt tun.
Auf der anderen Seite stehen die Mega-Apps wie EasyPark, das mit 60 Millionen Nutzern in Europa das Laden bereits über die Park-App anbietet. Google Maps und Apple Maps zeigen Ladeorte und Verfügbarkeit längst an, und mit Apple Pay oder Google Pay lässt sich die Zahlung in einem Tippen abschließen.
Diese Akteure wollen keine Kilowattstunden verkaufen. Sie wollen die Kundenbeziehung besitzen. Sie bauen die Plattformen, auf denen Fahrende täglich leben. Wenn große Unternehmen nicht um diesen Raum kämpfen, verlieren sie ihn.
Was Norwegen über das Laden ohne Einbindung lehrt
Norwegen zeigt erneut die Zukunft. Mit 90 % rein elektrischer Neuwagen ist es ein Labor im Maßstab 1:1 für das, was passiert, wenn Elektrofahrzeuge zum Massenmarkt werden. Energieversorger, Handel und Versorger stürmten ins Ladegeschäft, oft aber ohne Abstimmung oder Einbindung. Das Ergebnis? Zersplitterung, unzuverlässige Ladestationen und ein schlechtes Kundenerlebnis. Heute finden 90 % der Ladevorgänge zuhause statt.
Die Hälfte der norwegischen E-Auto-Besitzer berichtete, dass Schnellladestationen gelegentlich ausfielen. Viele mussten mehrere Apps jonglieren, nur um zu laden. Und als sich die Verbreitung von Pionieren zu gewöhnlichen Verbrauchern ausweitete, wuchs der Frust.
Die Lehre ist einfach: Ladegeschäfte können sich nicht allein auf Größe verlassen. Ohne Einbindung und Einfachheit wandert die Kundschaft zu dem, der die einfachste Lösung bietet.
Erreicht der britische Lademarkt einen Wendepunkt?
Großbritannien bietet eine weitere Perspektive. Mitte 2024 waren dort 1,1 Millionen Elektrofahrzeuge auf der Straße. Die öffentliche Ladeinfrastruktur wuchs in einem Jahr um fast 50 %, dennoch bleiben Sorgen um Zuverlässigkeit, Zugang und Netzkapazität. Die Ziele der Regierung sind ehrgeizig: 10 Millionen Elektrofahrzeuge bis 2030 und mehr als 300.000 öffentliche Ladepunkte.
Für große Energieversorger und Handel ist das Herausforderung und Chance zugleich. Der nötige Investitionsumfang ist enorm, und die Regierung steckt fast 1,5 Milliarden £ in die Förderung der Infrastruktur. Doch die Verbraucher verlangen zunehmend ein Laden, das in den Alltag eingebunden ist: im Supermarkt, auf dem Parkplatz, zuhause als Teil der bestehenden Stromrechnung.
Die Chance für Ladegeschäfte liegt darin, diejenigen zu sein, die diese Einbindung liefern. Das Risiko: Wer zu langsam handelt, überlässt globalen Plattformen den Raum.
Wie Energieversorger und Handel beim Laden relevant bleiben
Wie also verwandeln etablierte Ladegeschäfte ihre Stärken in verteidigbare Vorteile?
Erstens müssen sie das Laden in bestehende Dienste einbinden. Ein Versorger sollte Kundinnen und Kunden nicht zwingen, eine neue Lade-App zu laden; er sollte das Laden in seine Energieabrechnung einbetten.
Ein Supermarkt sollte das Laden nicht als Nebenprojekt behandeln, sondern Teil der Treueprämien machen, die Kundschaft zurückbringen. Ein Parkraumbetreiber sollte das Laden nicht vollständig auslagern; er sollte es in seine Zugangssysteme und Apps einbinden.
Zweitens müssen sie sich auf das Kundenerlebnis konzentrieren. Den Verbrauchern ist egal, wem die Ladestation gehört. Wichtig ist ihnen, dass sie funktioniert, jedes Mal, ohne Mühe. Zuverlässigkeit, Transparenz und Einfachheit sind nicht verhandelbar.
Drittens sollten sie Daten nutzen, um neuen Wert zu schaffen. Lademuster zeigen, wann und wo Kundinnen und Kunden unterwegs sind, wie lange sie bleiben und wie viel sie zu zahlen bereit sind. Verantwortungsvoll genutzt, treiben diese Daten klügere Angebote, Cross-Selling und Energieoptimierung.
Viertens müssen sie sich auf die Energiedimension vorbereiten. Der Wert des Ladens liegt in Mobilität und Energiemanagement zugleich. Gesteuertes Laden, Optimierung am Intraday-Markt, Teilnahme an Frequenzreserven und lokale Batterien an Knoten sind entscheidend. Ohne sie ist das Laden nur ein weiterer Kostenfaktor. Mit ihnen wird es zu einer Quelle für Erlöse und Resilienz.
Wie eMabler die Ladeanbindung für etablierte Unternehmen unterstützt
Genau das ist die Rolle von eMabler. Wir konkurrieren nicht mit Ihnen um Ihre Kundenbeziehungen. Wir helfen Ihnen, sie zu behalten.
eMabler bindet das Laden von Elektrofahrzeugen direkt in Ihr CRM, Ihre Abrechnung, Ihre Treue- und Energiesysteme ein, damit Sie all Ihre vorhandenen Stärken voll nutzen. Statt parallele IT-Systeme zu bauen oder noch eine App zu starten, betten Sie das Laden in Ihre zentralen Plattformen ein.
Für Versorger heißt das, Elektrofahrzeuge zu flexiblen Ressourcen zu machen und sie an Energiemärkten zu vermarkten. Für den Handel heißt es, mit dem Laden Frequenz zu treiben und Bindung zu vertiefen. Für Parkraumbetreiber heißt es, das Laden für die Kundschaft reibungslos zu machen, ohne das Geschäftsmodell neu zu erfinden.
Und weil eMabler als offene Plattform gebaut ist, verbindet es sich mit Fahrzeugherstellern, Mega-Apps und Drittdiensten, ohne Unternehmen in geschlossene Umgebungen zu zwingen. Genau diese Flexibilität brauchen Sie, um sich in einem schnell wandelnden Markt zu bewegen.
Fazit: anpassen oder verschwinden
Die Großen aus Energie, Handel und Parkraum stehen am Scheideweg. Sie haben den Kundenstamm, die Infrastruktur und das Vertrauen. Doch sie stehen unter Druck von Fahrzeugherstellern, die das Fahrzeug beherrschen, und von Mega-Apps, die die digitale Schnittstelle beherrschen.
Die gute Nachricht: Die Zukunft ist noch nicht geschrieben. Mit den richtigen Schritten können Ladegeschäfte zentral im Ladeumfeld bleiben. Aber sie müssen mit Nachdruck handeln. Einbindung, Einfachheit und Energieoptimierung sind die Schlüssel.
Wer an zersplitterten Apps oder Insellösungen festhält, verschwindet in der Bedeutungslosigkeit. Wer offene Plattformen und kundennahe Dienste annimmt, wird gedeihen.
Das Laden von Elektrofahrzeugen ist vom Rand ins Zentrum des Kampfes um die Zukunft von Energie und Mobilität gerückt. Und die Großen, die das rechtzeitig erkennen, werden auch morgen noch groß sein.