Wie die E-Mobilität neue Einnahmequellen erschließt
September 8, 2025
Read time: 5 minutes
Autor: Juha Stenberg, CEO at eMabler

Kurze Antwort
Das Laden hat sich von einem reinen Ausbauproblem der Hardware zu einem Energiegeschäft entwickelt. Die Einnahmechancen reichen heute weit über den Weiterverkauf von Strom hinaus, bis zu gesteuertem Lastverschieben, Optimierung am Intraday-Markt, Regelleistungsmärkten, Vehicle-to-Grid-Diensten, gebündelten Loyalty-Modellen und der Anbindung stationärer Batterien an Ladeparks. Jede dieser Einnahmequellen verlangt, dass Elektrofahrzeuge als flexible Netzressourcen verwaltet werden statt als passive Lasten. Das setzt voraus, dass das Laden an Energie-, Abrechnungs- und CRM-Systeme angebunden ist statt isoliert läuft. Bis 2035 dürfte der weltweite Strombedarf von Elektrofahrzeugen 1.000 Terawattstunden übersteigen. Die strategische Frage ist daher nicht, ob man sich auf die Einnahmequellen der E-Mobilität einlässt, sondern wie schnell man die Anbindungen aufbaut, um sie zu erschließen.
Dieser Artikel geht auf jeden dieser Punkte im Detail ein.
Über Jahrzehnte war die Frage beim Laden einfach: Wie bauen wir genug Anschlüsse, um mit der Zahl der Elektrofahrzeuge auf der Straße Schritt zu halten?
Im Mittelpunkt standen Hardware und Ausbautempo. Staaten förderten Ladestationen, Versorger erprobten Pilotprojekte, und frühe Nutzer nahmen unzuverlässige Apps und langsames Laden hin.
Diese Zeit ist vorbei. Elektrofahrzeuge erreichen den Massenmarkt, und damit verwandelt sich das Laden in etwas weit Größeres. Strom je Kilowattstunde zu verkaufen reicht nicht mehr. Erfolg hängt heute davon ab, Energie klug zu steuern, neue Einnahmequellen zu erschließen und die Mobilität in das größere Energiesystem einzubinden.
Das Ausmaß der Chance ist enorm. Bis 2035 dürfte der weltweite Strombedarf von Elektrofahrzeugen 1.000 Terawattstunden übersteigen, etwa so viel wie der Jahresverbrauch Japans. Allein in Großbritannien waren Mitte 2024 bereits über 1,1 Millionen Elektrofahrzeuge auf der Straße, während das öffentliche Ladenetz in einem Jahr um fast 50 % wuchs. In Norwegen, wo Elektrofahrzeuge 90 % der Neuwagen ausmachen, hat der Umstieg sowohl die Chancen als auch die Tücken der Elektrifizierung gezeigt.
Mit den steigenden Mengen verschiebt sich die Wirtschaftlichkeit. Das Laden ist kein Nebengeschäft und kein Experiment mehr. Es wird zu einer Energieplattform, einem Knoten im Netz, der Angebot und Nachfrage ausgleichen, neue Märkte für Flexibilität schaffen und neue Kundenkontakte öffnen kann.
Für jeden Energieversorger, Händler oder Mobilitätsanbieter lautet die Frage nicht mehr, ob man sich auf das Laden einlässt, sondern wie man daraus ein profitables, wachstumsfähiges Geschäft macht, das für das Kommende bereit ist.
Wie sich das Laden entwickelt hat
Als die ersten Elektrofahrzeuge für den Massenmarkt kamen, war der Zugang die zentrale Hürde. Fahrende sorgten sich um die Reichweite, Staaten um die Verbreitung, und die Branche reagierte mit einem raschen Aufbau von Ladestationen, wo immer es ging. Über Jahre war der Erfolgsmaßstab schlicht die Zahl der installierten Ladepunkte und verkauften Elektrofahrzeuge.
Mit der wachsenden Verbreitung wurden die Schwächen dieses Ansatzes sichtbar. Norwegen zeigt, wie schnell sich das ändern kann. Es dauerte vier Jahre, die ersten 10.000 Elektrofahrzeuge im Land zu verkaufen, heute geht dieselbe Zahl in vier Wochen. Förderungen und erneuerbare Energie befeuerten den Boom, doch die Infrastruktur hinkte hinterher. Öffentliche Ladepunkte lagen verstreut, waren oft unzuverlässig und über Dutzende inkompatible Apps verteilt. In Norwegens Fahrerbefragung 2022 berichtete die Hälfte der Befragten, dass Schnelllader gelegentlich nicht funktionierten.
In der Frühphase nahmen die Nutzer diesen Frust hin, doch mit dem Eintritt der Elektrofahrzeuge in den Massenmarkt stiegen die Erwartungen. Menschen erwarten heute, dass Laden so einfach ist wie Tanken oder Licht per Bewegungsmelder einschalten. Das heißt Zuverlässigkeit, Anbindung und Transparenz. Und es heißt, dass der Geschäftsfall fürs Laden nicht mehr allein am Weiterverkauf von Strom hängen kann. Die neue Chance liegt darin, Elektrofahrzeuge als flexible Energieressourcen zu nutzen.
Welche neuen Geschäftsmodelle entstehen im energiegetriebenen Laden?
Das Laden wird zum Energiegeschäft, und die Einnahmechancen reichen weit über den Strompreis an der Säule hinaus. Energieversorger entdecken, dass Elektrofahrzeuge im Stromsystem mehrere Rollen spielen können, und jede Rolle schafft neuen Wert.
Gesteuertes Laden und Lastverschiebung
Anders als Verbrenner müssen Elektrofahrzeuge nicht sofort „voll" sein. Ein Wagen, der um 18:00 Uhr ansteckt, wird vielleicht erst um 8:00 Uhr am nächsten Tag wieder gebraucht. Dieses Zeitfenster ist eine Fundgrube für die Energieoptimierung. Systeme für gesteuertes Laden verschieben die Last automatisch in Stunden, in denen Strom am günstigsten ist, das Netz freie Kapazität hat oder die erneuerbare Erzeugung hoch ist.
In der Praxis heißt das, Fahrzeuge nachts zu laden, wenn die Windkraft Spitzen hat, oder den frühen Abend zu meiden, wenn das Netz unter Last steht. Für Energiehändler bedeutet das geringere Beschaffungskosten. Für die Kundschaft niedrigere Rechnungen. Für Netzbetreiber geglättete Spitzen und vermiedene teure Netzverstärkungen.
Intraday-Optimierung für Bilanzkreisverantwortliche
Energieversorger mit Bilanzkreisverantwortung können noch weiter gehen. Indem sie Ladelasten bündeln, optimieren sie ihre Positionen am Intraday-Markt. Weichen prognostizierter Verbrauch und tatsächliche Nachfrage voneinander ab, ist das Laden ein flexibler Hebel, um die Bilanz auszugleichen. Statt teure Ausgleichsenergie in letzter Minute zu kaufen und hohe Strafzahlungen zu riskieren, passen sie die Ladepläne über Tausende Fahrzeuge hinweg an, um das Risiko zu senken.
Das ist ein konkreter Geschäftsfall mit messbarem Nutzen, keine abstrakte Idee. In Märkten mit hohem Anteil erneuerbarer Energie steigt die Intraday-Volatilität. Flexible Nachfrage wie das Laden wird zum strategischen Werkzeug, um Wert zu schöpfen und Ausgleichskosten zu senken.
Frequenzregelleistung
Auf einer noch anspruchsvolleren Ebene kann das Laden an den Märkten für Frequenzregelleistung teilnehmen. Weicht die Netzfrequenz von ihrem Zielwert ab, brauchen Betreiber rasche Anpassungen bei Verbrauch oder Erzeugung, um das System zu stabilisieren. Früher kam das aus Kraftwerken. Zunehmend kann es aus Elektrofahrzeugen kommen.
Indem gebündelte Flotten das Laden auf Frequenzsignale hin leicht hoch- oder herunterfahren, liefern sie wertvolle Systemdienstleistungen. Die Erlöse je Fahrzeug wirken bescheiden, summieren sich im Maßstab aber zu einer spürbaren Einnahmequelle für Energieversorger. Und anders als industrielle Lastflexibilität ist die Flexibilität beim Laden reichlich vorhanden, verteilt und wächst Monat für Monat.
Vehicle-to-Grid (V2G)
Das vielleicht weitreichendste Modell ist bidirektionales Laden. Mit V2X passen Elektrofahrzeuge nicht nur an, wann sie Strom beziehen, sie können ihn auch ins Netz oder ins Gebäude zurückspeisen. Eine Flotte aus 1.000 Transportern mit je 50 kWh verfügbarer Kapazität entspricht 50 MWh Speicher, abrufbar in Sekunden.
In Europa legen Studien nahe, dass Elektrofahrzeuge bis 2030 bis zu 30 % der nötigen Netzflexibilität liefern könnten. Für Flotten macht V2X aus geparkten Fahrzeugen einnahmebringende Ressourcen. Für Versorger bietet es dezentralen Speicher ohne massiven Neubau von Infrastruktur.
Gebündelte Angebote und Kundenbindung
Über das Energiesystem hinaus schafft das Laden neue Kundenbeziehungen. Supermärkte bieten kostenloses Laden als Teil von Loyalty-Programmen und kurbeln den Umsatz im Laden an. Parkbetreiber binden das Laden in Abomodelle ein. Versorger schlagen das Laden auf die Energierechnung und machen es für die Kundschaft unsichtbar.
Die eigentliche Stärke liegt im Bündeln; Mobilität, Energie und Handel zu Diensten zu verbinden, die Kunden binden. Hier sind Daten so wertvoll wie Strom. Wer Lademuster versteht, kann Produkte querverkaufen, den Betrieb optimieren und die Bindung stärken.
Batterien an Ladeparks
Ein letztes Stück des Puzzles ist die lokale Speicherung. Große Ladeparks erzeugen leicht Lastspitzen, die hohe Netzentgelte auslösen oder das lokale Netz überlasten. Mit stationären Batterien vor Ort glätten Betreiber ihr Lastprofil, vermeiden Spitzenentgelte und gewinnen Reserve.
Diese Batterien lassen sich auch für Großhandels- und Reservemärkte optimieren und stapeln so mehrere Erlösquellen. Ein gut geplanter Ladepark ist mehr als Laden: Er wirkt wie ein kleines Energiekraftwerk, das die lokale Nachfrage ausgleicht, Kosten senkt und neue Einnahmen schafft.
Wer gewinnt den Kampf um das energiegetriebene Laden?
Mit diesen Chancen beginnt das Rennen. Energiehändler, Aggregatoren, Automobilhersteller und Technologieplattformen ringen um Position.
Energiehändler haben einen natürlichen Vorteil. Sie steuern bereits Beschaffung, Tarife und Millionen Kundenbeziehungen. Binden sie das Laden in ihr Angebot ein, machen sie aus Elektrofahrzeugen flexible Ressourcen und behalten den Kundenkontakt. Das Risiko ist Trägheit: Wer zu langsam handelt, wird überholt.
Aggregatoren und Flexibilitätsanbieter sehen in Elektrofahrzeugen die nächste große Ressource und handeln durch das Bündeln Tausender Fahrzeuge Flexibilität über mehrere Märkte. Doch sie haben selten direkten Kundenzugang und müssen daher mit anderen kooperieren, um zu wachsen.
Automobilhersteller versuchen, das Auto selbst zum Kunden zu machen. Mit Plug and Charge (ab 1.1.2027 verpflichtend) authentifiziert sich das Fahrzeug am Ladepunkt, und das Display im Auto wird zur natürlichen Oberfläche. Manche Hersteller erproben eigene Energiedienste oder kooperieren mit Tech-Konzernen wie Apple und Google für Karten und Zahlung. Doch oft fehlt ihnen das Wissen zu Netz und Abrechnung, um das reibungslos zu machen.
Die letzte Gruppe sind offene Plattformen. Sie sind die Verbinder, die nicht mit den Kunden konkurrieren, sondern sie befähigen. Das Laden in vorhandene IT-Systeme einzubinden (von CRM bis Abrechnung) hilft Energieversorgern, Händlern und Mobilitätsanbietern, Wert zu erschließen, ohne ihre Infrastruktur neu zu erfinden. Sie passen sich über Regionen, Regeln und Ökosysteme hinweg an und sind dadurch besonders gut zum Wachsen geeignet.
Welche Rolle eMabler in der Energiewende spielt
Genau hier ist eMabler positioniert. Das Unternehmen wurde um eine Überzeugung herum gebaut: Laden sollte keine isolierte Sparte sein. Es sollte in die Systeme eingebunden sein, die Unternehmen ohnehin betreiben, und in die Ökosysteme, mit denen sie zusammenarbeiten.
Statt Unternehmen zu parallelen IT-Stacks zu zwingen, bindet eMabler das Laden direkt an CRM, Abrechnung, Loyalty und Energiesysteme an. Das Ergebnis: niedrigere Betriebskosten (oft um die Hälfte gesenkt) und ein schnellerer Markteintritt.
Für Energieversorger heißt das, Flexibilitätsdienste zu vermarkten und Ladelasten in die Bilanzkreisverantwortung einzubinden. Für Händler heißt das, das Laden in Loyalty-Programme zu bündeln und neue Einnahmen zu schaffen. Für Parkbetreiber heißt das, das Laden ohne Umwege anzubieten, ohne eine ganz neue Plattform zu bauen.
Die Partnerschaften im Ökosystem stärken diese Position. Der Salesforce Connector öffnet das Laden für die 25 % der weltweiten CRM-Nutzer, die bereits Salesforce einsetzen. Die Interoperabilität mit EasyPark erweitert die Reichweite auf 60 Millionen Fahrende, ein Markt, 30-mal größer als der heutige Bestand an Elektrofahrzeugen. Und da AFIR Plug and Charge ab 2027 vorschreibt, ist eMabler ideal aufgestellt, um Hersteller, Mega-Apps, Betreiber und Dienstanbieter zu verbinden, wenn das Auto selbst zum Kunden wird.
Und das ist keine Theorie. eMabler ist bereits in zehn Ländern im Einsatz, mit starker Präsenz in den nordischen Ländern, bedient mehr als 40 Unternehmen und wächst rasch. In den am weitesten entwickelten Lademärkten Europas ist das Modell erprobt.
Was Unternehmen beim energiegetriebenen Laden beachten müssen
Die Chance ist groß, doch die Umsetzung entscheidet. Mehrere Faktoren bestimmen, ob das Laden zu einem profitablen Energiedienst wird oder zu einer teuren Ablenkung.
Der erste ist das Netz. In Großbritannien müssen 72 % der Umspannstationen ertüchtigt werden, um die erwartete Nachfrage zu tragen. Ohne gesteuertes Laden, Intraday-Optimierung und lokale Speicherung könnten die Netzkosten ausufern.
Der zweite ist die Regulierung. AFIR verändert ab 2027 die Lage, indem es Plug and Charge vorschreibt. Das EU-Paket Fit for 55 setzt scharfe CO₂-Ziele bis 2030. Nationale Vorgaben fügen eine weitere Ebene hinzu. Unternehmen müssen technisch und wirtschaftlich auf Flexibilität auslegen.
Der dritte ist die Kundenerfahrung. Norwegen zeigt die Risiken der Zersplitterung. Zu viele Apps, unzuverlässige Ladepunkte und schlechte Anbindung haben das Vertrauen untergraben. Der Massenmarkt erwartet einfachen Service. Wer Einfachheit und Zuverlässigkeit liefert, gewinnt.
Schließlich die strategische Frage der Datenhoheit. Werden Hersteller oder Tech-Konzerne den Kundenkontakt steuern? Oder behalten ihn etablierte Akteure wie Energieversorger, Händler und Parkbetreiber, indem sie das Laden in ihre vorhandenen Dienste einbinden? Davon hängt das künftige Geschäftsmodell ab.
Warum Energie das neue Laden wird
Die Elektrifizierung des Verkehrs formt nicht nur die Autoindustrie um, sondern das Energiesystem selbst. Das Laden hat sich von reiner Stromlieferung zu einem Spiel aus Zeitpunkt, Flexibilität, Daten und Diensten gewandelt.
Gesteuertes Laden senkt Kosten und bindet Erneuerbare ein. Intraday-Optimierung und Frequenzregelleistung schaffen neue Einnahmequellen für Energieversorger. V2G macht aus Fahrzeugen Netzressourcen. Gebündelte Angebote vertiefen die Kundenbindung. Batterien an Ladeparks glätten Spitzen und öffnen weitere Wertquellen.
Das ist die neue Wirklichkeit: Laden ist Energiemanagement.
Gewinnen werden nicht jene, die alles in einem geschlossenen System besitzen wollen. Es werden jene sein, die sich mit allem Relevanten verbinden und das Laden einfach, profitabel und nachhaltig machen.
Genau das ermöglicht eMabler. Durch die Anbindung an vorhandene Systeme, die Befähigung zur Vermarktung von Flexibilität und die Interoperabilität über Plattformen hinweg hilft eMabler Unternehmen, Veränderungen voraus zu sein.
Die Elektromobilität formt die Energiesysteme der Zukunft um, sie verändert nicht nur, wie wir uns fortbewegen, sondern auch, wie wir unsere Welt mit Strom versorgen. Die Vorreiter von morgen werden jene sein, die erkennen, dass Energie das neue Laden ist, und heute danach handeln.